Handlungsbedarf bei Jugendschutz und Nikotinprävention
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unterstützt die aktuelle gesundheitspolitische Debatte über den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nikotinhaltigen Produkten.

Die veröffentlichten Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) machen aus Sicht der Fachgesellschaft deutlich, dass Prävention und Jugendschutz in diesem Bereich weiter gestärkt werden müssen. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass insbesondere Einweg-E-Zigaretten und aromatisierte Produkte junge Menschen ansprechen“, erklärt DGP-Präsident Prof. Christian Taube.
„Was nach Vanille, Cola oder Erdbeere schmeckt, ist für Minderjährige nicht von Süßigkeiten zu unterscheiden. Hier sind wir alle gesamtgesellschaftlich gefordert!“
Die DGP unterstützt dabei ausdrücklich den Kurs des Bundesdrogenbeauftragten Prof. Hendrik Streeck, der sich für ein Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten einsetzt. „In den Niederlanden und anderen Ländern gibt es bereits gute Erfahrungen mit Verboten von Einweg-E-Zigaretten und Aromen“, so Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Essen. Nach Einschätzung der DGP dürften insbesondere süße Aromen, moderne Produktgestaltung und die starke Bewerbung entsprechender Produkte in sozialen Medien zu dieser Entwicklung beitragen.
Das BIÖG hatte gestern anlässlich des Weltnichtrauchertages auf den steigenden Konsum von E-Zigaretten unter Jugendlichen hingewiesen.
E-Zigaretten sind keine harmlosen Alternativen
„E-Zigaretten werden häufig als harmlose Alternative dargestellt. Tatsächlich enthalten sie jedoch gesundheitsschädliche und abhängig machende Substanzen“, so der DGP-Präsident weiter. „Die These, dass E-Zigaretten zu 95 Prozent weniger gefährlich sind, ist klar widerlegt. Immer mehr Studien zeigen, dass E-Zigaretten die Lunge und die Gefäße schädigen. Sehr oft rauchen Menschen sowohl E-Zigaretten als auch konventionelle Zigaretten, was in Kombination besonders gefährlich ist.“
Taube betonte zudem, was E-Zigaretten darüber hinaus schädlich für die eigene Gesundheit mache, sei ihr hohes Nikotinabhängigkeitspotenzial. „Eine Münchner Studie aus dem vergangenen Jahr konnte zeigen, dass nach dem Gebrauch von E-Zigaretten Nikotin besonders schnell in das Gehirn flutet – weshalb der Wunsch nach mehr, die Sucht, besonders stark ist.“
Jugendschutz heißt durch Verbote Zugang zu Produkten zu verhindern
Die DGP spricht sich deshalb bereits seit Längerem gemeinsam mit weiteren medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus für:
• ein Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten,
• ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten,
• eine deutlich höhere Tabak-Steuer,
• strengere Regeln für den Onlinevertrieb und
• eine wirksamere Kontrolle des Jugendschutzes.
Zugleich betont die Fachgesellschaft die Bedeutung evidenzbasierter Angebote zur Tabakentwöhnung. Rauchstoppprogramme, verhaltenstherapeutische Ansätze und etablierte medikamentöse Therapien seien wirksame Instrumente, um langfristig tabak- und nikotinbedingte Erkrankungen zu reduzieren und so die abzusehende Kostenexplosion im Gesundheitssystem nachhaltig zu reduzieren.










