Investitionsstau in öffentlichen Kliniken verhindert zeitgemäße Patientenversorgung



Der Investitionsstau in öffentlichen Krankenhäusern wird weiter zunehmen - mit spürbaren Folgen. Für den Bereich der Medizintechnik erwartet mehr als die Hälfte der Klinikentscheider, dass fällige Investitionen in moderne Geräte und Ausstattungen nicht getätigt werden können. Als Folge davon gehen die Krankenhäuser vor allem von einer stärkeren Belastung der Mitarbeiter und einer längeren Behandlungsdauer der Patienten aus. Außerdem könnten die Patienten nicht mit den neuesten Methoden behandelt werden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine EMNID-Umfrage unter 100 öffentlichen Krankenhäusern, die der Medizintechnik-Branchenverband Spectaris in Auftrag gegeben hat.
Den Investitionsstau in deutschen Krankenhäusern beziffert Spectaris schon heute mit rund 50 Mrd.€, die Hälfte davon entfällt auf den Bereich Medizintechnik. Die Aussagen der Klinik-Entscheider lassen hier keine Verbesserung erkennen. 59% erwarten laut EMNID-Umfrage, dass sich die Situation verschärfen wird. Nur 11% gehen von einer Verbesserung aus, während ein Viertel der Befragten (26%) die Auffassung vertritt, es gebe in ihrem Krankenhaus keinen Investitionsstau im Bereich der Medizintechnik.
Den größten Nachholbedarf für eine moderne medizintechnische Ausstattung sehen die Befragten in der Chirurgie (56%), der Inneren Medizin (51%) und in der Radiologie (50%).
Als Konsequenz zeichnen die Krankenhaus-Manager, die einen steigenden Investitionsstau erwarten, ein düsteres Bild: 81% dieser Befragten sehen eine größere Belastung der Mitarbeiter. 65% der Krankenhäuser können ihren Patienten nicht die neuesten Behandlungsmethoden anbieten. In jedem zweiten Krankenhaus verlängerten sich somit außerdem die Behandlungsdauer der Patienten und als Folge auch der Aufenthalt im Krankenhaus (34%).
„Dieser Entwicklung muss dringend entgegen gesteuert werden", so Spectaris -Geschäftsführer Sven Behrens und fordert eine differenzierte Analyse bei Investitionen in moderne Medizintechnik. Mit neuen Diagnose-, Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten seien Effizienzsteigerungen verbunden, die hohes Einsparpotenzial böten. „Das betrifft etwa kürzere Operations- und Liegezeiten, die Reduzierung von Personal- und Materialkosten oder die Vermeidung von oftmals teuren Nachbehandlungen", unterstrich Sven Behrens. Nur der Anschaffungspreis eines Produktes alleine erlaube keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit einer Investition. Daher sei eine investitionsfreundliche Krankenhausfinanzierung genauso notwendig wie eine entsprechende Erstattung innovativer Medizintechnik über die Fallpauschalen der Krankenhäuser.
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