Neues Beratungskonzept für CED-Patienten
Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) entwickelte für Patienten der Ambulanz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ein neues Betreuungskonzept und wurde dafür mit dem Innovationspreis der Bundesvereinigung Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) ausgezeichnet.


Die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Martina Müller-Schilling, und die Apotheke des UKR, unter Leitung von Dr. Alexander Kratzer, arbeiten dabei interdisziplinär und interprofessionell eng zusammen. Das Ergebnis: Jeder Patient erhielt eine höchst individuelle Beratung zu seiner gesamten Medikation.
Die Studie am UKR ergab: 71% der befragten Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nehmen fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig ein, zusätzlich oft auch ergänzende Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate.
Verunsicherungen bei der medikamentösen Therapie
Die Vielzahl an Arzneimitteln löst bei vielen Patienten Unsicherheit aus - etwa wegen möglicher Nebenwirkungen, Krebsrisiken oder Auswirkungen auf die Familienplanung. Die Studie bestätigt diese Sorgen und konnte folgende Herausforderungen aufzeigen:
• 33% der Befragten äußerten Bedenken gegenüber ihrer aktuellen medikamentösen Therapie.
• 75% der Patienten, die gleichzeitig mit Immunmodulatoren und Biologika behandelt wurden, äußerten starke Bedenken.
• Rund 50% der Patienten nahmen oft ohne medizinische Abklärung oder Rücksprache ergänzend pflanzliche oder diätetische Präparate ein.
Neues Beratungskonzept
Das interdisziplinäre Team in der CED-Ambulanz reagierte auf diese Studienergebnisse und entwickelte ein neues, patientenzentriertes Betreuungskonzept. Beteiligt waren die Ärzte Prof. Dr. Arne Kandulski, PD Dr. Hauke Tews, Benedicta Binder und Chiara Lecruit von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h. c. Martina Müller-Schilling, Fachapotheker Dr. Daniel Fleischmann und das Team der Klinikapotheke unter Leitung von Dr. Alexander Kratzer sowie der spezialisierten IBD-Nurse Johanna Loibl (IBD = inflammatory bowel disease, englisch für chronische entzündliche Darmerkrankungen) und Studierende der Pharmazie und der Medizin. Auch Patientenvertreter brachten ihre Perspektive ein.
Im Rahmen des neuen Beratungskonzepts erhielten die Patienten drei Wochen vor ihrem Ambulanztermin einen Fragebogen. Darin machten sie Angaben zu ihrer aktuellen Medikation, ihrem Verständnis der Arzneimittel und etwaigen Unsicherheiten. Klinische Pharmazeuten prüften daraufhin alle Medikamente, einschließlich freiverkäuflicher Mittel, auf Risiken, Doppelverordnungen, fehlende Indikationen oder Wechselwirkungen. Auf dieser Grundlage optimierten sie gemeinsam mit dem interdisziplinären Team den individuellen Medikationsplan. Abschließend wurde die angepasste Therapie im persönlichen Gespräch mit dem Patienten eingehend besprochen.
Wichtige Ergebnisse
• Bei 79% der Patienten wurde der Medikamentenplan angepasst.
• 35% der Studienteilnehmer erhielten entweder ein neues Medikament oder ein bestehendes (nicht mehr wirksames) wurde abgesetzt.
• Häufig konnten nicht mehr notwendige Medikamente identifiziert werden. Pflanzliche Präparate oder Nahrungs-Ergänzungsmittel ohne nachweislichen Nutzen oder Indikation wurden aus dem Plan gestrichen.
So bewerten Patienten das neue Konzept
Die abschließenden Studienergebnisse zeigen deutlich: Mit dem neuen Beratungskonzept fühlen sich die Patienten sicherer und zufriedener mit ihrer Behandlung. Die interdisziplinäre und interprofessionelle Begleitung wird von ihnen regelmäßig und mit hoher Akzeptanz in Anspruch genommen.
Das Projekt wurde mit dem Innovationspreis der Bundesvereinigung Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) ausgezeichnet. Der Preis unterstreicht, dass gelebte Teamarbeit konkrete Verbesserungen für Patienten schaffen kann.
Anbieter

Universitätsklinikum Regensburg (UKR) --Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
Deutschland
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