Studie: Personalnot belastet Krankenhäuser


Patienten wird die Behandlung verweigert, weil das nötige Fachpersonal fehlt. Dieser Vorwurf könnte in Zukunft die Schlagzeilen bestimmen. Ärzte werden bereits heute händeringend gesucht, Pflegekräfte werden folgen, so eine aktuelle Studie des TDS Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim. Besonders gefährdet sind demnach kleinere Krankenhäuser und Krankenhäuser in ländlichen Regionen.
Wie wirkt sich das Fehlen der Fachkräfte aus und welche Strategien werden entwi-ckelt, um diesem Mangel entgegenzuwirken? Über 130 Krankenhäuser befragten Prof. Dr. Stephan Fischer und Annegret Zimmermann im September und Oktober 2012. Ende Januar 2013 folgte die Auswertung. Die strukturierte Untersuchung des TDS Instituts für Personalforschung lässt Rückschlüsse auf die Personalsituation der Ärzte, der Pflegekräfte und der Verwaltungsfachangestellten in den Krankenhäusern zu. Das Fazit: „Ärzte sind bereits heute Mangelware", so Fischer. Der Leiter des Instituts sieht ein klares Stadt-Land- und Größen-Gefälle. „Auch größere Klinken haben Schwierigkeiten, vakante Ärztestellen zu besetzen, doch bei kleineren stehen die Chancen noch deutlich schlechter." Acht von zehn Krankenhäusern im ländlichen Raum können freiwerdende Posten nur sehr schlecht neubesetzen. „Es fehlen schlichtweg Bewerber!" bilanziert Fischer.
Die Personalsituation hat sich auch in den Rekrutierungsstrategien niedergeschlagen. Die Anwerbung und Anstellung von ausländischen Ärzten ist für 81 Prozent der Befragten kein Problem. „Mit Image lässt sich punkten", folgert Annegret Zimmer-mann. Während Universitätskrankenhäuser immerhin zehn Bewerbungen auf eine freiwerdende Ärztestelle bekommen - unabhängig vom Status der ausgeschriebenen Stelle - haben kleinere Kliniken kaum Auswahl. Ein bis fünf Akademiker bemühen sich hier um die vakante Stelle. Aus dem Dilemma gibt es laut der Studie für die Krankenhäuser nur einen Ausweg: Das Studium muss für mehr Bewerber geöffnet werden, die Attraktivität des Berufs muss steigen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte besser gewährleistet sein.
Doch nicht nur die Ärzteschaft ist eine knappe Ressource. Bereits heute können über ein Drittel der befragten Krankenhäuser die freiwerdenden Pflegestellen nicht wieder oder nur mit Problemen besetzen. „Die Tendenz ist stark ansteigend", erklärte Stephan Fischer. „Drei Viertel aller Kliniken sieht hier in Zukunft ein deutliches Problem", so der Professor der Hochschule Pforzheim. Auch stehen Kliniken im ländlichen Raum wieder stärker Fokus. Stellen im Pflegebereich, vielfach über An-noncen in den regionalen Tageszeitungen beworben, können in Großstädten schneller wieder besetzt werden. Auch hier bilden Fachkräfte aus dem Ausland be-reits eine attraktive Alternative. Die Arbeitszeiten, eine angemessene Bezahlung und das soziale Umfeld sind Faktoren, die die Entscheidung der Pflegekräfte zu Gunsten eines Standortes beeinflussen.
„Nur bei den Verwaltungsfachangestellten der Krankenhäuser gibt es zurzeit keine Probleme", stellte Fischer fest. Hier scheint das Reservoir an Fachkräften ausrei-chend. Für alle Einrichtungen sind die eigene Homepage, Imagebroschüren oder Anzeigen in den einschlägigen Medien inzwischen Standradinstrumente zur Perso-nalanwerbung. Keine Relevanz sehen die Arbeitgeber in der Nutzung der Social Me-dia. Facebook, Xing oder Google+ sind in der Krankenhausarbeitswelt noch nicht angekommen, obwohl künftige Arbeitnehmer hier ein verstärktes Interesse signali-sieren.
Die Personalsituation verursache höhere Kosten, so ein Fazit der Studie. „Über die Hälfte der Kliniken beschäftigten bereits Honorarärzte, Stellenwerbungen werden teurer und die Beschäftigung von ausländischem Fachpersonal bedeutet oft eine intensivere Einarbeitung", führt Fischer als Beispiele auf. Ein positives Image wirke sich günstig auf die Personalentwicklung aus. „Kleinere Häuser müssen sich hier deutlicher abheben, um zu punkten", so Professor Fischer. „Personalentwicklung und -rekrutierung ist für die Kliniken zentral", erläutert der Leiter des Instituts der Hochschule Pforzheim. Schließlich wäre das Abweisen von Patienten nicht nur kont-raproduktiv für das Image der Klinik, sondern widerspräche auch deren Auftrag.
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