Venenthrombose bei Hochbetagten


Für die Behandlung hochbetagter Patienten mit venöser Thromboembolie (VTE) gibt es keine gesicherten Daten. Daher hat LEO Pharma eine weltweit einmalige Studie initiiert, bei der das Durchschnittsalter der VTE-Patienten 83 Jahre war.
Ziel der Innohep in Renal Insufficiency Study (IRIS) war zu klären, ob auch hochbetagte hospitalisierte Patienten mit Niereninsuffizienz sicher mit dem niedermolekularen Heparin Tinzaparin behandelt werden können. Bei den mit Tinzaparin behandelten Patienten kam es weder häufiger zu Rezidiven noch traten vermehrt Blutungen auf. Auch eine Anti-Xa-Akkumulation konnte nicht nachgewiesen werden. Aufgrund einer erhöhten Mortalität musste die Studie jedoch abgebrochen werden. Wie eine Analyse nun zeigt, war die Ursache hierfür nicht die Medikation, sondern eine Überrepräsentation von Risikofaktoren in der Tinzaparin-Gruppe.
Fast 70 % der Patienten mit einer venösen Thromboembolie sind über 60 Jahre alt, beinahe ein Viertel sogar über 80 Jahre. Gerade diese Altersgruppe hat zudem ein besonders hohes Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf. Dennoch gibt es bisher keine verlässlichen Daten zur Behandlung dieser wichtigen Patientengruppe, da Hochbetagte aufgrund ihrer Begleiterkrankungen sowie der damit verbundenen erhöhten Medikamenteneinnahme üblicherweise von klinischen Studien ausgeschlossen werden.
Keine Akkumulation bei Niereninsuffizienz
Mit der IRIS-Studie hat sich LEO Pharma erstmals der Herausforderung gestellt, die Therapiesicherheit beim Einsatz eines niedermolekularen Heparins (Tinzaparin) bei Hochbetagten mit eingeschränkter Nierenfunktion nachzuweisen. Niedermolekulare Heparine (NMH) haben bei der Behandlung der Venenthrombose Vorteile gegenüber unfraktionierten Heparinen (UFH), da sie kein spezifisches Gerinnungsmonitoring erfordern. Im Rahmen der Studie erhielten die Patienten randomisiert entweder Tinzaparin in nicht adjustierter therapeutischer Dosis einmal täglich oder aPTT-adjustiertes UFH. Bei den mit Tinzaparin behandelten Patienten kam es weder häufiger zu Rezidiven noch kam es vermehrt zu Blutungen. Auch eine Anti-Xa-Akkumulation konnte nicht nachgewiesen werden.
Überrepräsentation der Risikofaktoren
Nach 539 Patienten wurde die Studie aufgrund eines in der Nachbeobachtungszeit (Tag > 20 nach letzter Tinzaparin-Gabe) erhöhten Sterberisikos im Tinzaparin-Arm abgebrochen. Wie eine post-hoc-Analyse zeigt, korreliert die erhöhte Mortalität nicht mit der Behandlungsgruppe, sondern mit sechs unabhängigen Risikofaktoren, die alle, bis auf die der Studiencharakterisierung zugrunde liegenden Niereninsuffizienz, zufällig in der Tinzaparin-Gruppe überrepräsentiert waren: So waren in dieser Gruppe mehr Krebspatienten (20 Patienten in der Tinzaparin-Gruppe gegenüber 13 Patienten in der UFH-Gruppe), über 90-Jährige (39 gegenüber 33), sowie Patienten mit Infektionskrankheiten (30 gegenüber 15), Herzinsuffizienz (62 gegenüber 51) und Beinlähmungen (10 gegenüber 5). Außerdem hatten die Patienten in der Tinzaparin-Gruppe häufiger mehrere Risikofaktoren gleichzeitig.
Als Folge der Analyse wurde die seinerzeit von LEO Pharma zum Schutze der Patienten aktiv bei den europäischen Gesundheitsbehörden eingereichte Kontraindikation für Patienten ≥ 90 Jahren mit eingeschränkter Nierenfunktion von dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wieder gestrichen. Desweiteren wurde anhand dieser Studie die zuvor bestehende Kontraindikation bei Patienten mit schwerer Nierenerkrankung aufgehoben.
Anbieter
Leo Pharma GmbHFrankfurter Str. 233 -A3
63263 Neu-Isenburg
Deutschland
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