Labormanagement in der Cloud


Nachdem alle Disziplinen der Laboratoriumsdiagnostik gut abgebildet werden, stellen sich die Anbieter von Laborinformations- und -managementsystemen (LIMS) nun neuen Herausforderungen. Dazu gehören die Abrechnungsmodule nicht nur für niedergelassene Einsender, sondern auch für niedergelassene Laborärzte im Krankenhaus als Erbringer der Leistungen. Zudem wird Laborsoftware neuerdings in webbasierten Systemen angeboten. Hierbei müssen hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden.
Einst Sorgenkinder der Laborsoftware, sind heute die Blutgruppenserologie/Blutbank und Point-of-Care-Testing in aktuelle Laborinformationssysteme (LIMS) voll integriert. „Es gibt modulare Lösungen für jedes Laborprofil", konstatiert Prof. Dr. Johannes Aufenanger, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Klinikum Ingolstadt und Visionär in Sachen Labor-EDV, im Gespräch mit M&K. „Auch die Histologie - im europäischen Ausland ohnehin integraler Teil der Labordiagnostik - und die Mikrobiologie werden von modernen LIMS papierlos verwaltet."
Automatische Zuordnung diverser Abrechnungsformen
Neue Lösungen mussten auch für die Abrechnung der Laborleistungen entwickelt werden. So können Ärzte, auch Laborärzte, laut Vertragsarztrechtsänderungesgesetz (VÄndG) von 2006 zugleich klinikärztlich und in Niederlassung tätig sein. „Dann muss das LIMS nicht nur mit dem Krankenhausinformationssystem KIS kompatibel sein, sondern auch den vollen Leistungsumfang einer Laborarzt-EDV erbringen", betont Aufenanger. Aufträge von externen niedergelassenen Ärzten sowie die Erfassung von Patienten, deren Status mehrmals von „ambulant" oder „vor-/nachstationär" in „stationär" wechseln kann, machten ebenfalls flexible Abrechnungsmodule notwendig, die von einigen Herstellern entwickelt wurden: „Auch das ist ein Erfolg der letzten Jahre", so Aufenanger.
Intuitiv bedienbare Oberflächen
PD Dr. Matthias Orth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin des Marienhospitals Stuttgart, ist zugleich Betreiber einer Laborarztpraxis im selben Hause. Er hat mit den Abrechnungsmodulen moderner LIMS gute Erfahrungen gemacht. Und nicht nur das, wie der Vorsitzende der Sektion Labormanagement der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin betont: „Es gibt enorme Fortschritte in der Stabilität und Bedienerfreundlichkeit." Das bestätigt auch Aufenanger: „Die Benutzeroberflächen der LIMS sind heute intuitiv bedienbar. Es wird praktisch jedem, der schon einmal mit Internetbrowser, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation gearbeitet hat, ein zügiger Einstieg gelingen."
Webbasierte Systeme ante portas
Diese Einfachheit der Bedienung sei auch Voraussetzung für den nächsten Schritt, das webbasierte LIMS - sinnvollerweise kombiniert mit einem ebenfalls webbasierten KIS. „Unterstützt wird die Anbindung der Analysegeräte und Bildschirmarbeitsplätze der Klinik an heterogene Systemlandschaften durch Module für die Standardprotokolle HL7, LDT, ASTM oder für spezielle proprietäre Protokolle", so Aufenanger. Seit Kurzem werde auch in Deutschland ein solches LIMS angeboten.
Das „LIMS in der Cloud" ist aber noch die Ausnahme. Gründe dafür sind neben den Kosten für die Neuanschaffung vor allem Sicherheitsbedenken. „Die Internetverbindung müsste störungsfrei und der Zugang strikt auf berechtigtes Personal beschränkt sein; hier sind zuverlässige Kontrollmechanismen vonnöten", betont Orth. Nach Meinung von Aufenanger ist aber auch dieses Problem lösbar, etwa mittels physischer oder virtueller Standleitungen, gesicherter Schnittstellen wie Thin Client oder Clientless SSL VPN und einer 256- oder doch mindestens 128-Bit-Verschlüsselung.
Einig sind sich beide Experten darin, dass auch und gerade kleinere Kliniken von solchen webbasierten Lösungen profitieren können: „Mehrere Kliniken können mit einem Zentrallabor vernetzt werden. Es muss weder Hard- noch Software für das LIMS im eigenen Haus vorgehalten und gewartet werden. Und bei einem Systemabsturz in Klinik oder Labor stehen die Daten dennoch als Backup auf dem webbasierten Server zur Verfügung", fasst Aufenanger die Vorteile zusammen.
Meist gelesen

Zukunftsfähig: Neuausrichtung des TAVI-Programms im Asklepios St. Georg
Mit der Prozessoptimierung des TAVI-Programms gelang es dem Team für strukturelle Herzerkrankungen, wirtschaftliche Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern – ein Gewinn für alle Seiten.

Pro Care 2026 zeigt innovative Versorgungslösungen aus der Hauswirtschaft
Pflegequalität entsteht nicht nur am Pflegebett, sondern in allen Bereichen des Alltags, die das Leben in einer Einrichtung prägen.

Krebsmedikamente: Wie sich Nebenwirkungen am Auge behandeln lassen
Moderne Krebsmedikamente wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) und Immuntherapien können schwerwiegende Nebenwirkungen am Auge bis hin zur Erblindung verursachen.

Richtiges Händewaschen: Die Temperatur ist nicht entscheidend
Welchen Einfluss hat die Wassertemperatur, die Waschdauer und die Wassermenge auf das Händewaschen? Zwei Studien der Medizinischen Universität Wien zeigen überraschende Ergebnisse.

Neues Sequenzier-Labor am Krankenhaus Merheim eröffnet
Das Krankenhaus Merheim der Kliniken der Stadt Köln hat am 7. Oktober 2025 offiziell sein neues Sequenzier-Labor in Betrieb genommen – ein bedeutender Schritt in Richtung moderner, personalisierter Krebsmedizin.









