Soziale Medien können die Aggression anfachen
Die Situation spitzt sich seit Jahren zu: Die Aggression und Gewalt gegenüber den Mitarbeitern in Krankenhäusern wächst.
Bernd Waßmann

Prof. Volker Harth und Priv.-Doz. Dr. Stefanie Mache, beide am Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie Behörde für Justiz & Verbraucherschutz, Hamburg, sprechen über die Lage in den deutschen Notaufnahmen.
M&K: Nehmen Sie für Kliniken in den letzten Jahren einen Anstieg der Gefährdung des Klinikpersonals wahr?
Prof. Volker Harth: Ja, wir sehen seit mehreren Jahren eine Zunahme von Gewalt gegenüber Klinikpersonal, sowohl in der Wahrnehmung der Beschäftigten als auch in den verfügbaren Daten. Besonders betroffen sind Notaufnahmen. Gewalt ist dabei längst kein Randphänomen mehr, sondern gehört für viele zum beruflichen Alltag. Gleichzeitig müssen wir diese Entwicklung differenziert betrachten: Das Bewusstsein für das Thema ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gewalt wird heute häufiger thematisiert, enttabuisiert und auch eher gemeldet. Viele Beschäftigte fühlen sich eher ermutigt, Vorfälle anzusprechen, die früher möglicherweise hingenommen oder nicht dokumentiert wurden. Das heißt: Wir haben es sehr wahrscheinlich sowohl mit einer tatsächlichen Zunahme als auch mit einer verbesserten Sichtbarkeit des Problems zu tun.
Worin sehen Sie die Ursachen für die zunehmende verbale und körperliche Gewaltbereitschaft im öffentlichen Raum?
Priv.-Doz. Dr. Stefanie Mache: Die zunehmende verbale und körperliche Gewaltbereitschaft im öffentlichen Raum lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen, sondern ist Ausdruck mehrerer gesellschaftlicher Entwicklungen. Ein zentraler Faktor ist eine insgesamt gestiegene psychosoziale Belastung in der Bevölkerung, etwa durch Krisenerfahrungen, ökonomischen Druck oder auch Nachwirkungen der Pandemie. Diese können die Frustrationstoleranz senken und die Aggressionsbereitschaft erhöhen.
Gibt es weitere Faktoren?
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