Prof. Andreas Bockisch wird emeritiert


Zwanzig Jahre lang leitete Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Andreas Bockisch (66) die Klinik für Nuklearmedizin in der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Universitätsklinikum Essen (UK Essen).
Am 31. Juli ist der letzte Arbeitstag für den Physiker und Mediziner: dann wird der international anerkannte Experte für Schilddrüsenkrebs als Hochschullehrer entpflichtet („emeritiert“). Der Abschied fällt schwer, denn unter seiner Leitung erlangte die Klinik für Nuklearmedizin eine deutschlandweit führende Position. Prof. Bockisch führte beispielsweise die PET-Untersuchung mit 124-Jod vor der Radiojod-Behandlung ein, die heute zu den Standardmethoden zählt. In Kombination mit einem CT lässt sich auf diese Weise genau abschätzen, wie viel therapeutische Aktivität nötig ist, um den Tumor zu zerstören.
Dieses Verfahren hat ebenso Eingang in die nationale Behandlungsrichtlinie gefunden, wie eine dosimetrische Methode für die Radiojodtherapie gutartiger Schilddrüsenerkrankungen. Bereits 2001 holte Prof. Bockisch das deutschlandweit erste PET/CT an das UK Essen – das zweite Gerät überhaupt in Europa. Im Laufe seiner Forschungstätigkeit verfasste der Mediziner und Physiker mehr als 600 wissenschaftliche Publikationen.
Bockisch studierte von 1969 bis 1974 Physik an der Universität Köln. Dem Diplom folgte dann noch ein Medizinstudium. 1977 promovierte er zum Dr. rer. Nat, 1984 zum Dr. med. Nach seiner Anerkennung als Facharzt habilitierte er sich 1990 an der Universität Bonn für das Fach Nuklearmedizin. Beruflich startete Prof. Bockisch 1976 an der Universität Köln und wechselte später an die Universität Bonn. Nach einem Forschungsaufenthalt am PET-Center der University of Tennessee/Knoxville, USA, wechselte er 1991 an die Universität Mainz. 1996 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Nuklearmedizin an der damaligen Universität Essen und wurde zum Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UK Essen ernannt.
Einen Namen machte sich Prof. Bockisch als Strahlen- und Schilddrüsenkrebs-Experte. Er war u.a. nationaler Leiter verschiedener internationaler Studien zur medikamentösen Behandlung des fortgeschrittenen Schilddrüsenkarzinoms. Frühzeitig erkannte er die Vorteile der hybriden Bildgebung, der Kombination der molekularen mit der morphologischen Bildgebung. Das von ihm entwickelte Nutzungskonzept, nämlich die nuklearmedizinische und die röntgenologische Diagnostik in einem Gerät gleichberechtigt durchzuführen, hat sich inzwischen weltweit durchgesetzt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit fünf Jahren ein Kombinationsgerät aus simultaner Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und Magnetresonanz-Tomografie (MRT).
Auch bei der nuklearmedizinischen Behandlung bösartiger Lebertumoren gehört die Klinik zu den weltweit führenden Zentren. Die sogenannte Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) ermöglicht die gezielte Bestrahlung bösartiger Veränderungen in der Leber. Die Methode wird in einer interdisziplinären Forschergruppe wissenschaftlich begleitet und optimiert.
Prof. Bockisch war u.a. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, langjähriges Mitglied der Strahlenschutzkommission der Bundesregierung und Mitherausgeber nationaler und internationaler Fachjournale. Er berät die Bundesregierung und ist Mitglied der Leopoldina, der nationalen Akademie der Wissenschaften, sowie der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
Für seine Verdienste um die PET/CT wurde ihm die Röntgenplakette der Stadt Remscheid verliehen, die als der inoffizielle Nobelpreis der Röntgenforschung gilt. Für seine vielfältigen und kontinuierlichen wissenschaftlichen Leistungen erhielt Prof. Bockisch die Hevesy Medaille, die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Die Nationale Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.
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